Bist du schon Expertin? Warum du gut genug für dein Business bist

Februar 3, 2022
von Angelika Färber

"Bin ich schon Expertin? Wann darf ich mich so nennen?"sind Fragen, die im Zusammenhang mit der Frage nach der Positionierung für viele Solo-Unternehmerinnen immer wieder auftauchen.  Letztlich sollte deine Positionierung genau diese Frage beantworten: Worin bist du wirklich gut?  Denn willst du potentielle Kundschaft von dir überzeugen, muss sie dich als Expertin sehen, dir also glauben, dass du gut genug bist in dem, was du anbietest. 

Doch musst du dich dafür selbst Expertin nennen? Wie kannst du sicher sein, dass du wirklich gut genug dafür bist? 

Gerade wenn das Hochstapler-Syndrom für dich ein Thema ist, kennst du diese Zweifel sehr gut. 

Im Folgenden zeige ich dir, wie du diese Frage für dich beantworten kannst und warum diese Angst auch was Gutes hat.

Du erfährst,

  • was Expertin eigentlich bedeutet - und was nichtie du sichergehen kannst, dass du gut genug in deinem Bereich bist
  • wie du sichergehen kannst, dass du gut genug in deinem Bereich bist
  • warum es so wichtig ist, dass Expertin und Kundschaft zusammenpassen
  • warum Expertentum allein kein Erfolgsgarant ist und was es sonst noch braucht, damit du dauerhaft die richtigen Menschen anziehst
  • wieso die Angst, nicht gut genug zu sein, dir auch nützen kann

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Was bedeutet "Expertin" genau?

Ich selbst mag den Experten-Begriff nicht. Wenn mich jemand so nennt, fühle ich mich wahnsinnig unter Druck. So, als müsste ich zaubern können.

Das kommt vielleicht aber auch daher, dass ich „Expertin“ oder „Experte“gerne eher mit der Bedeutung einer „Koryphäe“ gleichsetze.  (Und ich glaube, genau diesen Fehler machen viele andere Selbständige auch, die sich mit dem Experten-Begriff schwertun.) Dabei ist das nicht richtig, denn eine Koryphäe ist eine Person, die an der Spitze ihres Gebietes steht, sozusagen wirklich oberschlau ist (wobei auch das Koryphäentum sicherlich nicht in Stein gemeißelt ist und mitunter heiß diskutiert).

Oft entsteht auch Druck, den du dir selbst machst, wenn du dich mit anderen vergleichst. Du schaust auf die, die scheinbar schon weiter sind und fühlst dich klein.

(Manchmal kann Vergleichen ganz hilfreich sein, für ein Benchmarking. Wie du dich so vergleichst, ohne, dass es dich deprimiert, erfährst du im Artikel "Warum es ohne Vergleichen im Business nicht geht".)

Doch ganz nüchtern betrachtet, bedeutet „Expertin“ nicht, dass du alle anderen in deinem Bereich toppen musst (dann wärst du wie gesagt, eher eine Koryphäe). Laut Wikipedia  ist ein Experte „eine Person, die über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt“.

Um es ganz einfach auszudrücken:

Wenn du mehr als der Durchschnitt über dein Gebiet Bescheid weißt, bist du in diesem Bereich Expertin.

Aus Sicht deiner Kunden bist du also Expertin, wenn du dich besser als sie mit deiner Sache auskennst.

Wikipedia schlägt als Synonym außerdem den Begriff „Sachkundiger“ vor – ich muss sagen, damit kann ich mich mehr anfreunden. Leider klingt diese Bezeichnung nur sehr nach Behördensprache und ist damit alles andere als marketingtauglich. 

Doch lassen wir letzteres mal beiseite - ist das Problem durch Austauschen des Begriffs gelöst? Nicht ganz.

Die ursprüngliche Bedeutung stammt vom Lateinischen "expertus", was "erfahren" bedeutet. Ein Experte ist demnach ein erfahrener Fachmann oder eine erfahrene Fachfrau. 

Doch wie erfahren sollte eine Expertin sein?

Innerhalb der Expertenriege gibt es himmelweite Unterschiede. So wie zwischen Assistenzarzt und Chefärztin.

Wenn jemand nur ein Jahr Erfahrung hat, ist sie dann weniger Expertin, als jemand, die fünf Jahre Erfahrung hat?

Strenggenommen, ja. Doch das muss kein Problem sein.

Dennoch stellen sich die Fragen: Ab wann ist jemand sachkundig genug? Ab wann ist jemand gut genug ausgebildet? Reicht ein Wochenend-Seminar?

Denn es gibt viele Bereiche, in denen die Ausbildung nicht eindeutig festgelegt ist und es keine geschützten Berufsbezeichnungen gibt. Wie zum Beispiel im Marketing oder Coaching.

Und so gibt es riesige Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen „Experten“ und „Expertinnen“. Einige verkaufen nur heiße Luft, andere kennen ihr Metier in- und auswendig.

Manche verkaufen diese heiße Luft vielleicht sogar wissentlich, das heißt, sie wissen, dass sie andere hinters Licht führen. Doch ein großer Teil ist möglicherweise dem Dunning-Kruger-Effekt aufgesessen: Sie wissen nicht, was sie alles nicht wissen und überschätzen die eigene Kompetenz. Dabei verkennen sie die Kompetenz anderer.  (Ich frage mich insgeheim, ob Testosteron diesen Effekt begünstigt, wenn ich an diverse männliche, blutjunge Online-Marketer denke, die ihr Angebot recht aggressiv und sehr "selbstbewusst" anpreisen.)

Ich würde daher die Definition des Expertentums noch etwas erweitern:

Eine Expertin ist nicht nur jemand mit überdurchschnittlichem Wissen oder überdurchschnittlichen Fähigkeiten in einem Gebiet, sondern auch jemand, der die Leistungen und Fähigkeiten von Kolleg:innen anerkennt und respektiert.

Vorsicht also, wenn du auf der Suche nach Unterstützung bist und der- oder diejenige Wettbewerber gerne schlechtredet.


Wie kannst du feststellen, ob du gut genug bist?

Wie kannst du also wissen, ob du gut genug für deine Kundschaft bist? 

Ich habe dafür meine eigene Definition entwickelt:

Du weißt, du bist gut genug, wenn du es bereits geschafft hast, jemanden bei seinem Problem, für dessen Lösung du antrittst, zu helfen und wenn du in der Lage bist, diesen Erfolg zu wiederholen.

Das bedeutet, du arbeitest nicht auf gut Glück, sondern du weißt, was zu tun ist, um ein bestimmtes Resultat zu erzielen.

Übrigens heißt das nicht, dass du für jede Person  ein Patent-Rezept hast. Denn für viele Probleme gibt es nicht die eine Lösung, die für alle passt.

Doch du arbeitest dennoch mit System, weißt, welche Stellen du abklopfen musst, um eine Lösung zu finden. So wie zum Beispiel ein Kommissar oder ein Detektiv. Dabei kannst du trotzdem flexibel agieren und individuell auf deine Kundschaft eingehen.  

Flexibel zu bleiben und dennoch nicht die Orientierung zu verlieren, immer wieder auf das Ziel hinzuarbeiten, das gelingt eben dann immer besser, je erfahrener du bist, also, je mehr du Expertin bist.

Expertin und Kundschaft müssen zusammenpassen

Soll dein Expertinnenstatus unangetastet bleiben, ist es wichtig, dass du dich mit deinem Lösungsangebot an die richtigen Menschen richtest. Expertin und Kundschaft müssen also zusammenpassen. Denn letztlich ist es dein Publikum, das deinen Expertinnenstatus weiterträgt und bestätigt.

Doch ich weiß, das sagt sich oft leichter, als es sich umsetzen lässt. Wenn es um die Definition der Zielgruppe geht, gibt es einige Stolperfallen, die du vermeiden solltest. Im Artikel"5 Fallstricke bei der Definition der Zielgruppe" erfährst du mehr darüber.

Ein unklarer Expertinnenstatus (aus Außensicht) entsteht oft dann, wenn Selbständige zu viel wollen: Wenn sie die Universallösung für alles sein wollen.


Ein Beispiel hierfür wäre eine Coachin, die sowohl Paaren bei ihren privaten Beziehungsproblemen hilft, als auch Vorstände und Geschäftsführer coacht, besser leiten zu können (oder dies zumindest offiziell alles anbietet).

Doch niemand kann alles für jeden sein.

Wenn du Kundin bist, wie wählst du jemanden aus, der dir bei einem bestimmten Problem helfen soll? Traust du das jemanden zu, der alles macht oder siehst du denjenigen, der sich auf dein bestimmtes Problem spezialisiert hat als den wahren Experten?

Deshalb gilt:

Je mehr du anbietest und je breiter deine Zielgruppe, desto verwässerter ist dein Expertinnenstatus.

Ob andere dich als Expertin sehen, ist auch eine Frage der Perspektive

Der Expertinnenstatus ist somit eine Frage der Perspektive. Ich finde es deshalb auch nicht zwingend, dass du dich selbst so bezeichnest, sondern das anderen überlässt. 

Angenommen, du suchst jemanden, der dich im Bereich Social Media unterstützt.

Du hast dich mit dem Thema noch nie beschäftigt, warst bisher auf keine Plattform unterwegs und möchtest jetzt für dein Business lernen, wie du das Ganze nutzen kannst. Dann brauchst du jemanden, der dir zunächst die Basics erklärt – alles andere würde dich überfordern. 

An diesem Punkt könnte dir ein Anfänger in diesem Bereich, der die Grundlagen beherrscht, schon gut helfen. Aus Sicht einer Social Media Anfängerin ist eine Business-Anfängerin in diesem Bereich eine Expertin.

Doch wenn du bereits einige Jahre auf einer oder mehreren Plattformen unterwegs bist, wenn du grundsätzlich weißt, wie der Hase läuft, dann wird dein Problem sehr wahrscheinlich spezifischer sein.

Dann brauchst du jemanden, der weiter fortgeschritten ist, der nicht nur umfangreicheres Wissen, sondern vor allem auch jahrelange, praktische Erfahrung hat und möglicherweise stärker spezialisiert ist.

Du kannst gut genug sein - und trotzdem scheitern

Ja, es ist wichtig, dass du kompetent bist, dass du deine Sache verstehst.

Doch sicher fallen dir Beispiele von Leuten ein, die eigentlich nicht so wirklich Ahnung von einer Sache hatten und trotzdem damit gutes Geld verdient haben – Schaumschläger, die sehr erfolgreich heiße Luft verkaufen. Weiter oben habe ich sie schon erwähnt.

Gerade im Online-Marketing gibt es scheinbar unzählige selbsternannte Experten mit zweifelhaftem Ruf – sie fluten Instagram und Facebook mit ihren reißerischen Anzeigen und Postings.  

Einige von ihnen haben damit durchaus Erfolg – jedenfalls eine Zeit lang. Und somit ist klar, du musst nicht mal gut sein in einem bestimmten Fachgebiet, um damit erfolgreich im Business zu sein.

Zumindest wenn du über gewisse Charaktereigenschaften verfügst, die dir ermöglichen, selbstbewusst und überzeugend heiße Luft zu verkaufen. Oder wenn Reflektieren und dich selbst hinterfragen nicht so deine Stärken sind.

Und somit gilt hier auch der Umkehrschluss:

Selbst wenn du richtig gut in deiner Sache bist, ist das noch lange keine Garantie, dass du daraus ein erfolgreiches Business aufbauen kannst.

Wenn du zum Beispiel Expertin für Anthophobie, der Angst vor Blumen, bist, bin ich nicht sicher, ob diese Nische nicht doch etwas zu speziell ist. 

Okay, das Beispiel ist vielleicht etwas weit hergeholt, doch ich denke, du verstehst meinen Punkt:

Deine Expertise muss einer ausreichend großen Zahl an Menschen nützen. 

Hier verhält es sich genauso wie beim Thema deiner persönlichen Leidenschaft, die allein auch nicht genügt, um erfolgreich zu werden. Im Artikel "Business-Ziele erreichen: Warum Leidenschaft nicht genug ist" erfährst du mehr dazu.

Und, wie oben schon angedeutet, muss für deinen Businesserfolg dein Marketing stimmen. Dreh- und Angelpunkt deines erfolgreichen Marketings ist, dass du eine Zielgruppe definierst, diese kennst und deshalb weißt, wie du sie ansprichst.

Die Angst nicht gut genug zu sein, lässt dich wachsam bleiben

Wenn die Angst nicht gut genug zu sein schon immer dein Begleiter war, wird sie auch immer ein Teil von dir bleiben. Insofern machst du dir es leichter, wenn du sie akzeptierst und das Beste aus ihr machst. 

Denn diese Angst hat auch ihr Gutes: Sie sorgt dafür, dass du immer dranbleiben willst, weiterlernst und dich permanent verbesserst. Und dass du dir deine Grenzen bewusst machst, dass du weißt, wo der Bereich aufhört, in dem du sattelfest bist und wo du Lücken hast, die du auffüllen willst.

So gehst du immer tiefer und wirst so fortlaufend zu einer besseren Expertin. Mehr dazu erfährst du in diesem Video von Sandra Holze:

Weitere Tipps, wie du dich kontinuierlich verbessern kannst, findest du im Artikel auf time.com "How To Become An Expert At Anything" .

Fazit

Überlege, wem du derzeit am besten helfen kannst mit deinem Können und deinem Angebot. Analysiere, an welchem Punkt dein idealer Kunde oder deine Wunschkundin steht, wenn er oder sie zu dir kommt. Prüfe, wie du noch besser zeigen kannst, dass genau du ihnen helfen kannst.

Denn wenn du dich an die für dich passenden Kunden richtest, bist du für sie ganz sicher die richtige Expertin – und damit gut genug für dein Business.

Und ganz wichtig: Lass dich von deiner Angst nicht lähmen, gehe trotzdem raus, so dass du durch das Tun immer besser wirst.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 05.12.2019.

Möchtest du dich klarer als Expertin positionieren und weißt nicht genau, wo du anfangen sollst?  Dann frage jetzt ein kostenloses Strategie-Gespräch mit mir an.

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