Als Selbständige neu positionieren: 5 Anzeichen, dass es Zeit dafür ist

März 2, 2022
von Angelika Färber

Vielleicht hast du mich das schon öfter sagen hören: Auch auf einer guten, stabilen Positionierung kannst du dich nicht ewig ausruhen. Denn alles ist im Fluss, die Dinge in uns und um uns herum verändern sich. So kann manches, was heute für dich in deinem Business noch passt, irgendwann nicht mehr das richtige sein. Dann kann es an der Zeit sein, dich als Selbständige mit deinem Business neu zu positionieren.

Der Gedanke, sich neu zu positionieren, macht vielen Selbständigen Angst. Weil sie denken, sie müssten alles Bisherige über Bord werfen und ganz von vorne anfangen. Doch ganz so dramatisch muss es nicht sein.

Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen der Neuausrichtung des Business und der Neuausrichtung als Unternehmerin. Wenn ich mich als Mensch neu ausrichte, quasi neu erfinde, ist der Umbruch in der Regel viel stärker, als wenn es um eine Neuausrichtung des Business geht. In letzterem Fall können es schon kleinerer Nachjustierungen mit großer Wirkung sein.

Im ersten Fall, geht es häufig um eine Neuerfindung als Mensch, der sein Leben umkrempelt. Und der sich dann entschließt, die eigene Unternehmensberatung zu verkaufen und stattdessen eine Eisdiele zu eröffnen. Und ja, das klingt ganz schön beängstigend.  So etwas ist aber strenggenommen keine Business- Neupositionierung. Das ist eine Business Schließung und Neugründung eines anderen Business.

Doch das meine ich nicht, wenn ich von Neupositionierung spreche. 

Woran merkst du aber überhaupt, dass es Zeit sein könnte, ein paar alte Zöpfe abzuschneiden und nachzujustieren? Ich gebe dir hier 5 Punkte mit, an denen du das feststellen kannst.

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1. Dein Business läuft nicht mehr

Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es Zeit ist über eine Neupositionierung nachzudenken ist, wenn dein Umsatz nach und nach zurückgegangen ist. Vielleicht hat er eine Weile stagniert, bevor er nach unten ging.

Wenn es keine sonstigen Umstände gibt, die damit zu tun haben könnten, wie z.B. Corona, dann ist es sehr gut möglich, dass deine Ausrichtung, so wie sie jetzt ist, nicht mehr passt. Dass da irgendwo eine Schieflage ist. Das gilt besonders, wenn dein Business eine Zeit lang gut lief.

Wie kann es zu so etwas kommen?

Das ist zum einen natürlich, wenn der Markt sich verändert. Sowas passiert eher allmählich. Die Wünsche und Bedürfnisse deiner Zielgruppe verschieben sich, so dass bestimmte Dinge immer weniger nachgefragt werden. Ein Beispiel hierfür wäre der Einzelhandel, der in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile verloren hat und an den Online-Handel abgegeben hat. Corona hat das Ganze verstärkt und beschleunigt.

Und auch viele Coaches haben durch Corona ihr Geschäftsmodell umstellen müssen. Von Präsenz Coaching oder Präsenz-Workshops sind viele Coaches dann auf Online-Coachings gegangen. Und sahen sich erstmals mit der Frage konfrontiert, wie sie sich online vermarkten. Ob sie klar genug positioniert sind und wenn nicht, wie sie das nachschärfen. Denn online müssen sie sich nun mal klarer positionieren, um in der Masse nicht unterzugehen.

Wenn also dein Business nicht mehr läuft wie bisher, dann schau dir mal an, was sich in deinem Markt oder bei deinen Kund:innen verändert hat. Befrage Leute aus deiner Zielgruppe zu ihren Wünschen und Bedürfnissen. Überlege, ob sich deine Wettbewerbssituation stark verändert hat im Gegensatz zu früher, so dass du mittlerweile eher als eine von vielen wahrgenommen wirst.

Ich nenne hier gerne das Beispiel von Online-Business-Coaches. Vor ein paar Jahren war es noch was Spezielles, wenn du sagen konntest, „ich helfe anderen, ein Online-Business aufzubauen“. Doch dann kamen immer mehr nach, die das auch versprachen. Und heute reicht das nicht mehr, heute musst du auch in dieser Sparte klarer und spezialisierter sein, willst du nicht in der Masse untergehen.

2. Du fühlst dich nicht wohl, wenn du auf deine Website schaust

Ein weiteres Zeichen ist, dass du dich mit dem, was du nach außen zeigst, nicht (mehr) sonderlich wohlfühlst. Du kannst dich damit nicht identifizieren und fühlst dich nicht wohl mit dem, was auf deiner Website steht.

Vielleicht hat dir das vor einiger Zeit noch gefallen. Oder aber, du warst nie so wirklich zufrieden damit, nur jetzt nervt es dich so richtig. Du hast das Gefühl, das ist alles irgendwie nicht mehr so richtig stimmig.

Eine Kundin von mir sagte neulich: Wenn sie vor unserer Zusammenarbeit einen Blick auf ihre Website geworfen hätte und sich dabei gefragte hätte, was sie eigentlich genau anbietet – sie hätte es nicht sagen können.

Es ist sicher nicht leicht, diese Distanz zur eigenen Website einzunehmen – insbesondere dann, wenn du die Texte selbst verfasst hast. Aber versuche es mal.

Nimm quasi einen großen Schritt zurück und versuche mal mit dem Blick von außen drauf zu schauen: Könntest du sagen, was genau du machst?

Noch einfacher kannst du es dir machen, wenn du jemanden Außenstehenden fragst – der natürlich von dir noch keinerlei Erklärung bekommen hat, was du tust.

Und wenn du schon dabei bist, mit Abstand auf deine eigene Seite zu schauen – horche dabei in dich rein. Wie fühlst du dich dabei? Ist das was, wo du sagst, ja, das bin ich, total. Oder hast du das Gefühl, irgendwie passt da manches nicht zusammen?

Wenn du dieses Gefühl hast, dann ist es im Übrigen nicht damit getan, die Texte aufpolieren zu lassen. Denn kein Texter oder keine Texterin der Welt kann zaubern. Texter:innen können dir einfach nur helfen, deine innere Klarheit nach außen zu bringen, in die genau richtigen Worte zu verpacken. Doch wenn diese innere Klarheit bei dir fehlt, wird dir eine textliche Aufpolierung allein nicht helfen.

Lies dazu auch: "Wie deine Website dir hilft, Kunden zu gewinnen".

3. Deine persönlichen Umstände haben sich geändert

Auch wenn sich bei dir persönlich was verändert, kann es sein, dass du dein Business etwas anders ausrichten musst, damit es besser zu deinen veränderten Umständen passt.

Vielleicht möchtest du mehr Zeit für deine Kinder haben, vielleicht musst du Familienangehörige pflegen oder du musst oder willst –  aus welchen Gründen auch immer – vermehrt ortsunabhängig, also online arbeiten.

Manche dieser Veränderungen kannst du auch durch eine Umorganisation im Business herbeiführen. Zum Beispiel, indem du dir ein Team aufbaust, so dass du nicht selbst immer da sein musst. Doch es gibt eben auch diese Dinge, für die es dich braucht.  Und gerade wenn es von der Umstellung von Offline Business zu Online geht, braucht es häufiger eine klarere Abgrenzung und stärkere Positonierung oder Neupositionierung, wie schon unter Punkt 1 erwähnt.

Ein weiteres Anzeichen und Auslöser dafür, dass du über eine Neupositionierung nachdenken solltest ist, wenn sich in deinem Inneren etwas ändert.

Wenn sich deine Werte und Vorstellungen verändern, so dass es dir wichtiger wird, bestimmte Werte in deinem Business zu leben, die vielleicht bisher keinen Platz gefunden haben. Oder wenn du feststellst, dass du etwas tust, was heute nicht mehr für dich passt.

Vielleicht hast du in deinem Coaching eine bestimmte Methode angewendet, hinter der du nicht mehr stehst. Oder du hast auf eine bestimmte Art und Weise verkauft, mit Druck, die sich nicht mehr richtig für dich anfühlt.

Rein theoretisch könnte es dann ja reichen, einfach die Methode zu ändern, oder? Also, eine andere Coachingmethdode zu verwenden, anders Akquise zu betreiben. Was hat das also mit Neupositionierung zu tun?

 In der Regel hängt an solchen Dingen ein ganzer Rattenschwanz. Denn nicht jede Zielgruppe erreiche ich auf die gleiche Art und Weise über die gleichen Kanäle.

Also kann es sein, dass ich, wenn ich meine Akquise verändere, auch eine andere Zielgruppe brauche. Doch dann passt vielleicht mein Angebot gar nicht mehr, zumindest werde ich aber meine Kommunikation verändern müssen.

Das klingt jetzt so leicht – ist es aber nicht.

Denn eine andere Zielgruppe heißt, du musst dir aufs Neue überlegen, was sehen die als Problem? Was wünschen sie sich? Was für Folgen hat das Problem? Wie beschreiben sie das?

Selbst wenn du also an deinem Angebot an sich nichts ändern musst- musst du es möglicherweise sprachlich reframen – und das kommt schon einer Neupositionierung gleich. Denn Positionierung ist neben der grundlegenden Entscheidung, was du tust und für wen, vor allem auch strategische Kommunikation.

Das Bühnenbild mag unverändert bleiben, aber je nachdem, was ich zeigen möchte, schalte ich unterschiedliche Scheinwerfer an, die unterschiedliche Punkte in den Vordergrund stellen.

Auch durch Neues, was dir begegnet, können sich deine Vorlieben verändern. Vielleicht hast du eine neue Methode gelernt, die du gerne in deine Arbeit integrieren möchtest. Doch Vorsicht – der Anspruch, alle unsere Fähigkeiten gleichermaßen in unser Angebot einbringen zu wollen und zu versuchen, das auch alles zu kommunizieren, überfordert oft und führt häufig zu einem Bauchladen Angebot. So verwässert die Positionierung.

Hier musst du also nach den Dingen Ausschau halten, die dich wirklich faszinieren, von denen du so überzeugt bist, dass du sagst: Das möchte ich in den Vordergrund meiner Arbeit stellen.

Wobei ich damit nicht meine, dass du in deiner Kommunikation eine bestimmte Methode in den Vordergrund stellen solltest. Denn Methoden sind der potentiellen Kundschaft in der Regel egal. Was sie interessiert, sind Ergebnisse.

Doch möglicherweise kannst du ja mit einer neuen Methode ganz andere Ergebnisse erreichen, andere Ziele verwirklichen. Und somit hat also auch das Hinzufügen oder Weglassen einer Methode oder Arbeitsweise das Potenzial, eine Verschiebung deiner Positionierung zu bewirken.

Wenn sich also deine Vorlieben oder Prioritäten in deinem persönlichen Leben verändert haben, ist es an der Zeit zu prüfen, inwieweit dein Business noch dazu passt und ob es vielleicht an der Zeit ist, da einige Veränderungen vorzunehmen.

Lies dazu auch: "Mehr Wertschätzung durch Kunden."

4. Du wünschst dir stärkere Unabhängigkeit von einem großen Kunden oder von Freelancertum

Viele meiner Kundinnen oder Selbständige, die ich spreche, haben ein weiteres Standbein neben ihrem eigenen Business. Sie sind als Freelancer für andere Unternehmen tätig oder haben einen festen Hauptkunden. So ist der Lebensunterhalt und oft noch mehr gesichert.

Doch viele stellen nach einiger Zeit fest, dass ihnen dies zwar Sicherheit, aber nicht unbedingt Freiheit schenkt. Zumindest nicht die Freiheit, die sie sich durch ihre Selbständigkeit erhofft hatten.

Denn klar, der Hauptauftrag bindet einiges an Zeit und Energie. Doch vor allem sorgt er für eine gewisse Abhängigkeit – was bei vielen für ein ungutes Gefühl sorgt.

Was die meisten aber wirklich in einer solchen Situation quält ist, dass sie nicht ihr eigenes Ding machen können. Dass sie mit Kunden arbeiten, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben und mit denen sie nicht gerne arbeiten. Dass sie Dinge tun, die sie nicht gerne machen. Dass sie letztlich nicht mehr von dem tun können, was sie am liebsten und besten können. Und so in diesem Bereich nicht dazu lernen. Und ihr Business nicht weiterentwickeln.

So wird der Wunsch nach Unabhängigkeit von Hauptauftraggeber oder Nebenjob immer größer. Und der Weg dahin geschieht über eine klare Fokussierung.

Durch Neben- oder Hauptstandbeine findet die Arbeit am eigenen Business oft nicht statt. Es mögen zwar hier und da Kunden kommen – häufig über das eigene Netzwerk – die dann abgearbeitet werden. Doch für strategische Überlegungen und entsprechende Umsetzung bleibt dann oft keine Zeit mehr. Und so kann man in vielen solcher Fälle davon sprechen, dass eigentlich noch gar keine Positionierung stattgefunden hat.

Ich würde hier also strenggenommen nicht mal von Neupositionierung sprechen, sondern davon, sich überhaupt erst einmal zu positionieren. Doch ich weiß auch, dass das vielen, die in dieser Situation sind, gar nicht bewusst ist. Und letztlich, ist das auch nicht wichtig.

Falls du dich auch in dieser Situation befindest, dann ist es wichtig, wahrzunehmen, was dich an deiner Situation stört und ehrlich mit dir zu sein im Hinblick auf dein eigenes Business. Wie klar bist du da? Hast du einen klaren Fokus hinsichtlich deiner Kunden und kannst du sagen, weshalb sie zu dir kommen und was du für sie tust?

Wenn nicht, ist es an der Zeit, hier klarer zu werden. Denn gerade wenn du dein Business noch nicht in Vollzeit vorantreiben kannst, ist es umso wichtiger, dass du sehr gezielt vorgehst. Zeitliche und energetische Streuverluste werfen dich weiter zurück als jemand, der sich zu 100 Prozent nur um sein Business kümmern kann. Eine klare Fokussierung und die Arbeit daran, kann dich davor bewahren, dich zu viel zu verzetteln.

5. Deine Arbeit fühlt sich zunehmend schwer an

Manchmal brauchen wir niemanden von außen, der uns ein Hamsterrad erschafft. Wir können das auch selbst.

Ein ziemlich untrügliches Zeichen, dass es an der Zeit ist, sich mit deinem Business neu auszurichten ist, dass dir deine Arbeit keine Freude mehr macht. Und hier ist es wichtig hinzuschauen, woran das liegt. Arbeitest du zu häufig mit Kund:innen, die dich nerven, die du als anstrengend empfindest? Spürst du Widerstand, Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zu tun? Ist es die Tätigkeit an sich? Oder eine Kombination aus verschiedenen Dingen?

Hier ist es also wichtig, in sich selbst rein zuhorchen, auch wieder ehrlich mit sich zu sein. Und gut zu unterscheiden, was die Ursachen sind. Denn je nachdem, was es ist, weißt du, wie radikal deine Veränderung sein muss.

Willst du eigentlich was ganz anderes machen mit der dir verbleibenden Lebenszeit oder macht dir das, was du tust, grundsätzlich schon Freude, aber eben nicht so, wie du es gerade tust? Wenn Letzteres der Fall ist, reicht eine Nachjustierung in deinem Business, ohne dass du gleich dein ganzes Leben auf den Kopf stellen musst.

Lies dazu auch: "Warum es nicht egal ist, mit wem du arbeitest".

Fazit

Wann immer es um Veränderung geht, meldet sich bei uns die Angst. Was ziemlich normal ist. Du weißt schon, das Reptilienhirn möchte uns in Sicherheit bewahren. Und sicher ist für uns das, was wir kennen. Selbst wenn wir mit dem Status Quo nicht glücklich sind.

Denn wer weiß schon, ob das Neue funktioniert? Also wittert die Reptilie Gefahr. Und sagt: „Lass das mal lieber sein.“  

So erlauben wir uns oft nicht mal, bestimmte Dinge auch mal gedanklich durchzuspielen, weil ja sofort der Alarm angeht.

Das Problem ist nur – wir werden es nie erfahren, wenn wir es nicht riskieren. Und niemals weiterkommen.

Daher möchte ich dir zum Schluss noch eine Frage mitgeben, die ich sehr mächtig finde: Angenommen, du wüsstest, du könntest nicht scheitern, jemand würde dir die Sicherheit geben, das was auch immer du angehst, funktionieren wird – was würdest du tun? Was würdest du verändern?

Sich diese Frage ehrlich zu beantworten, kann sehr hilfreich sein, um sich klarer zu werden, was man will, was man verändern möchte. Du musst und du wirst dadurch nicht gleich alle Antworten finden, wie das gehen soll. Das kommt mit der Zeit, Schritt für Schritt. Und der erste Schritt ist nun mal Klarheit darüber zu bekommen, was du verändern willst.

Wenn du dir bei der weiteren Klarheitsfindung über dein Business und der Umsetzung der ersten Schritte Hilfe wünschst, melde dich gerne bei mir für ein kostenloses telefonisches Strategiegespräch.

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