Von der Angst, sich zu zeigen – und was du dagegen tun kannst

September 15, 2021
von Angelika Färber

 Als Solo-Selbständige gilt oft: Deine Persönlichkeit ist dein USP. Denn wenn sich Angebote ähneln, ist doch letztlich der Mensch dahinter das entscheidende Kriterium, für wen ich als Kundin mich entscheide. Menschen kaufen von Menschen – die sie kennen, mögen und denen sie vertrauen. "Zeig dich, sei einfach du", ist ein allgemeiner Ratschlag dazu.

Doch genau hier gibt es oft ein Problem. Denn viele Solo-Unternehmerinnen haben geradezu Angst, sich zu zeigen. 

In diesem Artikel gebe ich dir ein paar Tipps und Sichtweisen, die dir helfen werden, dich dem Thema "sich zeigen" leichter anzunähern.

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Gib Leuten die Möglichkeit dich zu mögen - oder auch nicht

Letzteres haben wir natürlich nicht so gerne.

Aber da es wohl immer Menschen geben wird, die sich an irgendwas stören - sei es, dass ihnen deine Nase, deine Art zu sprechen oder deine Ansichten nicht gefallen, kannst du jeden Versuch in diese Richtung direkt unter Zeit- und Energieverschwendung verbuchen und diese Leute gleich ganz links liegen lassen. Mir zumindest hilft dieser Gedanke.

Doch natürlich war und ist das sich zeigen eine Herausforderung für mich. Nichts, was ich mal eben so begonnen habe. Gerade am Anfang kostete es mich Überwindung.

Es war ein riesiges Ding für mich, ein Foto von mir groß oben auf meiner Startseite zu haben. Ich hatte anfangs Angst, meine Website zu veröffentlichen, meinen ersten Artikel zu veröffentlichen oder mich auf LinkedIn mehr zu zeigen (nicht nur mit nüchternem fachlichen Kram). 

Die Angst, nicht gut genug zu sein

Was steckte hinter dieser Angst? In meinem Fall war es die Angst, nicht gut genug zu sein oder gar ausgelacht zu werden. Ich hatte zum Beispiel Angst, dass Leute denken könnten „Wer glaubt die eigentlich, der sie ist, sich hier so zu präsentieren?“

Oder dass Leute denken, dass ich den größten Mist schreibe in meinen Blogartikeln. Dass jemand denken könnte „Die hat es ja echt nicht drauf“ – Impostor Syndrome - zu Deutsch: Hochstapler Syndrom - lässt grüßen. Doch wie gesagt, der erste wichtige Schritt für mich war zu verinnerlichen, dass man es sowieso nie allen Menschen wird recht machen können. 

Ein weiterer Gedanke, der mir geholfen hat, den ersten Schritt in Richtung Veröffentlichen zu wagen war, dass ich geglaubt habe, dass sich sowieso keiner für meine Inhalte interessieren wird.

Irgendwie paradox, oder? Einerseits hatte ich Angst, deshalb ausgelacht zu werden, andererseits dachte ich: "Liest ja eh keiner."

Und als ich das merkte, sagte ich mir: "Okay, wenn es keiner mitkriegt, dann kannst du ja auch veröffentlichen." Und das tat ich dann.

Es gibt ja diesen Spruch „Dance like no ones watching" – den kannst du auch aufs Veröffentlichen übertragen.

Also:

Schreib so, als ob es niemand liest. 

Denn dann machst du dich frei von diesem ganzen Mist „was könnten andere denken.“ 

Als ich dann den ersten netten Kommentar zu einem Artikel bekam, war ich ganz überrascht. „Oh, liest ja doch jemand!“ 😊 Das bestärkte mich natürlich weiterzumachen.

Routine hilft

Auch wenn es ums sich sichtbar machen geht, gilt: Die Routine und Sicherheit kommen mit dem Tun. Deshalb warte nicht darauf, bis du dich so fühlst, sondern taste dich Schritt für Schritt heran. Mit der Zeit gewöhnst du dich daran. Die Dinge, die damals eine riesige Herausforderung für mich waren, kratzen mich heute nicht mehr sonderlich.

Eine Rampensau wird trotzdem nie aus mir werden. Aber ich denke, das muss es auch gar nicht. Denn wie gesagt, das Ziel ist ja, dass Leute meine Persönlichkeit kennenlernen. Würde ich mich als Rampensau geben wollen, müsste ich mich verstellen. Ich würde mich nicht wohlfühlen und Leute würden das sicher merken.

Dazu kommt: Ich möchte ja Leute anziehen, die zu mir passen. Insofern tut man sich durchs Verstellen also in doppelter Weise keinen Gefallen.

Vom Umgang mit miesen Kommentaren

Aber klar, gerade in den sozialen Medien kann es schon mal rauer zugehen. Zum Glück passiert das selten.

Die meisten Leute, die einen nicht mögen, sind zumindest so nett, das für sich zu behalten. Die Angst vor fiesen Kommentaren oder gar einem „Shitstorm“ wird von den meisten ganz normalen Solo-Selbständigen total überbewertet, denn sie haben nicht die Reichweite noch das öffentliche Standing, um einen wirklichen „Shitstorm“ hervorzurufen (nein, ein paar kritische Kommentare sind kein „Shitstorm“). 

Doch mit wachsender Sichtbarkeit finden dich natürlich auch mal Leute, die gerne rumstänkern und vielleicht einen nicht so netten Kommentar hinterlassen. Wie solltest du damit umgehen? Zuerst: Tief durchatmen und nicht aus einem Impuls heraus irgendwas antworten.

Einen solchen Kommentar zu löschen, empfiehlt sich in den meisten Fällen auch nicht, da du dadurch den Meckerer erst recht auf den Plan rufst, es sei denn er ist wirklich übel beleidigend, hetzerisch oder sonst irgendwie unter der Gürtellinie. In einem solchen Fall kannst du die Person melden.

Doch in den meisten Fällen ist es meiner Erfahrung nach das Beste, einen solchen Kommentar einfach unkommentiert stehenzulassen. Denn so bekommt der Stänkerer keine Aufmerksamkeit mehr und das ist es in der Regel, worum es solchen Leuten geht.

Manchmal passiert es auch, dass Leute aus deiner Community Partei ergreifen, d.h., dass sie sich mit dem Stänkerer anlegen. Oder dir zumindest Beistand schicken in Form von direkten Nachrichten. Häufig reagiert aber gar niemand auf solche miesen Kommentare. Das darfst du durchaus als betretenes Schweigen werten.

Soll heißen:

Vertraue darauf, dass die meisten Leute einen miesen Kommentar - auch wenn er subtil ist - dennoch erkennen und sich ihren Teil dazu denken. 

Und diejenigen, die einen negativen Kommentar an dich liken oder sonst positiv unterstützen, darfst du dann gerne aus deiner Community schmeißen. Insofern hat sowas auch immer eine gewisse Filterfunktion: Du erfährst, wer ist Freund, wer ist Feind.

Eine Variante davon sind persönliche Nachrichten, in denen Leute auf subtile Art versuchen, dich zu beleidigen, dich kleinzureden, dich zu verunsichern. Wenn jemand unter dem Deckmantel der „konstruktiven Kritik“ dir einfach nur was um die Ohren hauen will. Dir ungefragt Ratschläge erteilt. Möglicherweise, weil die Person es nötig hat, ihr Ego auf diese Weise aufzupolieren.

Auch da empfehle ich, blocke die Person einfach und reagiere gar nicht (und genieße eine gewisse Schadenfreude, dass jemand sowas nötig hat). Und schon bald hast du das Ganze vergessen.

Diese Gedanken beziehen sich natürlich auf jede Art des Veröffentlichens. Sie gelten genauso, wenn es darum geht, ein Video zu posten oder einen Live-Vortrag zu halten.

Fazit

Gerade wenn das sich zeigen neu für dich ist, hat es etwas Beängstigendes. Doch wenn du willst, dass Menschen von dir und deinem Angebot erfahren, kannst du dich nicht verstecken. 

Insgesamt gibt es weitaus mehr Zuspruch als offene Ablehnung (vor der wir uns ja so fürchten). Das heißt, erwarte, dass dich viel mehr Menschen mögen werden als ablehnen werden, wenn du dich zeigst, und zwar unverstellt, persönlich.  Du hast also viel mehr zu gewinnen als zu verlieren.

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Über Angelika Färber

Als neutrale Sparringspartnerin unterstütze ich meine Kundinnen dabei, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, ein klares Profil zu entwickeln und ihr Angebot so auf den Punkt zu bringen, dass potentielle Kund:innen sich direkt angesprochen fühlen.



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