unsicherheit im business

Wie du mit Unsicherheit in deinem Business umgehen kannst

Die derzeitige Krise hat uns alle kalt erwischt und fordert uns alle auf besondere Weise heraus. Und so ist die derzeitige Unsicherheit massiv und für viele unvergleichlich. 

Doch eigentlich ist Unsicherheit im Business nichts Neues für uns Selbständige. Und genau das kann jetzt auch ein Vorteil sein oder sich zu einer Stärke entwickeln.

Es geht mir hier keinesfalls darum, akute Existenzängste, die viele Selbständige zurzeit haben, herunterzuspielen. Auch ich kenne diese Ängste, sie sind schlimm. 

Sondern, ich möchte hier das Thema der Unsicherheit im Business einmal etwas näher beleuchten und darüber sprechen, was dir helfen kann, mit der jetzigen Situation umzugehen.

Unsicherheit ist im Business ein ständiger Begleiter


Für mich kann ich sagen: Wenn ich eines gelernt habe in den mittlerweile fünf Jahren meiner Selbständigkeit, dann ist es, mit Unsicherheit zu leben. Sie als Teil meines Daseins zu akzeptieren.

Vor meiner Selbständigkeit habe ich in PR- und Werbeagenturen gearbeitet - einer Branche mit hoher Fluktuation. Schon damals, als Angestellte, habe ich „Jobsicherheit“ nie erlebt.

Ich war nie länger als zwei Jahre in ein und derselben Festanstellung. Mein Lebenslauf ist ein Flickenteppich. Heute bin ich froh über diese Erfahrung.

Denn ich glaube, sie hat mir gezeigt: Es gibt keine absolute Sicherheit. Ich habe dadurch besser gelernt, auch in der Selbständigkeit Unsicherheit auszuhalten, meistens. Denn natürlich gelingt mir das nicht immer.

Die aktuelle Situation zeigt vielen von uns auf sehr krasse Weise, dass eben nichts sicher ist. Das macht vielen Angst – verständlicherweise.

Doch möglicherweise ist dir Unsicherheit im Business viel bekannter, als du im Moment denkst. Und möglicherweise hast du sie in der Vergangenheit schon viel besser gemeistert, als du dich gerade erinnern kannst.

Denn wenn wir nicht lernen, Unsicherheit auszuhalten, werden wir die Selbständigkeit nicht lange aushalten.

Ich meine damit nicht, dass du dich daran gewöhnen solltest oder musst, nur von Monat zu Monat zu leben und immer wieder nicht wissen zu können, wie du die nächste Miete bezahlst.

Sowas hält niemand auf Dauer aus. Und es ist nicht gesund. Weder für dich persönlich noch für dein Unternehmen. 

Doch was ich meine ist, dass wir als Solo-Unternehmerinnen immer wieder in Situationen kommen werden (und auch oftmals schon in solchen Situationen waren), in denen wir ins kalte Wasser springen. Situationen, in denen wir nicht wissen, wie es ausgehen wird.

Jede Investition – ob finanziell oder zeitlich – birgt das Risiko, eine Fehlinvestition zu sein. Jedes Neue, das wir ausprobieren, könnte sich nicht so entwickeln, wie erhofft.

Doch wenn wir nicht immer wieder Neues probieren, bedeutet das Stillstand für unser Unternehmen. Sich nicht zu bewegen wäre tödlich.

Sicher kannst du dich an solche Situationen in der Vergangenheit erinnern, die du trotz Unsicherheit gemeistert und überstanden hast.

Wenn dir die momentane Situation Angst macht, dann erinnere dich daran und lass sie ein Zeichen für dich sein, dass du diese Situation aushalten kannst.

Und damit zeigt sich auch, welche Chance für persönliches Wachstum in dieser Situation steckt. Denn jede überstandene Krise macht dich stärker und besser gewappnet, für was auch immer da kommen mag.

Gib dir Zeit, dich an die neue Situation zu gewöhnen


Falls du ohnehin schon im Home Office gearbeitet hast, ist für dich in der jetzigen Situation vielleicht keine allzu große Umstellung eingetreten, zumindest was deine Art zu arbeiten angeht. (Das Thema der fehlenden Kinderbetreuung lasse ich hierbei mal außen vor).

Das ist bei mir der Fall. Und dennoch hat mich die neue Situation etwas aus der Bahn geworfen, muss ich gestehen.

Als in der vorletzten Woche eine Hiobsbotschaft nach der nächsten kam und auch hier die Maßnahmen immer strikter wurden, fiel es mir zunehmend schwerer, mich zu konzentrieren. Sich dann weiterhin zu zwingen, am Schreibtisch sitzen zu bleiben, bringt meist nicht viel.

Statt mich jetzt also weiterhin schlecht zu fühlen, weil ich nicht viel erledigt bekommen habe, habe ich entschieden das loszulassen und mir zu sagen, dass das okay ist.

Und ich merke, ich mache mir das Leben leichter, wenn ich auch nicht erwarte, dass nach der ersten Schockwelle alles wieder sofort komplett rund laufen wird. 

Ich sehe es wie die Zeit nach dem Urlaub: Wenn ich zwei bis drei Wochen raus war, kann ich in der ersten Arbeitswoche danach auch noch nicht 100 Prozent geben. Der Arbeitsmodus muss sich erst wieder einstellen, Stück für Stück jeden Tag ein wenig mehr.

Und die plötzliche Krisensituation, hat mich abrupt aus meinem Rhythmus gebracht – so wie ein Urlaub das auf positive Weise tut. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke ja auch.

Dann erlaube dir auch so eine Übergangszeit. Wir alle müssen uns erst an diese neue Situation gewöhnen.

Unsicherheit braucht die Fähigkeit, loszulassen


A propos Loslassen: Ich stelle fest, dass diese Fähigkeit wirklich essentiell ist, um Unsicherheit überhaupt aushalten zu können. Wenn mich eine Sache belastet, kann ich sehr ungeduldig sein. Ich will eine Antwort oder Lösung sofort. Doch oft ist das nicht möglich. 

Das Warten auf eine Rückmeldung oder auf Ergebnisse, kann dann sehr quälend sein. Und dann hilft eben nur Loslassen.

Das Fragezeichen, das in der Luft hängt, stehen zu lassen, sich wegzudrehen und sich auf andere Gedanken zu bringen. Die Situation zu akzeptieren, ohne ständig über sie nachzudenken.


Suche kreative Lösungen


Wenn du wie der Großteil meiner Kundinnen Beratung oder Coaching anbietest, ist das Umschalten auf Online-Beratungen per Video in der Regel kein großes Problem. Denn ich behaupte mal, für einen Großteil von Beratungs- oder Coachingleistungen ist es nicht zwingend notwendig, sich auch physisch gegenüberzusitzen. In seinem Persönlichkeitsblog berichtet der Coach und Psychologe Roland Kopp-Wichmann von seinen eigenen Erfahrungen mit der Umstellung auf Online.

Wenn du aufgrund der derzeitigen Maßnahmen deine Tätigkeit nicht ausüben kannst, oder falls du zumindest massive Einbußen hast, ist  jetzt der Zeitpunkt zu überlegen, ob es Möglichkeiten gibt, dein Angebot umzustellen. 

Oder kannst du einen neuen Service anbieten? 

Bevor du jetzt sagst "mit meinem Angebot funktioniert das nicht", hier zwei scheinbar unmögliche Beispiele: 

Vor einigen Jahren behauptete der Inhaber einer großen Optiker-Kette, Brillen könne man nicht online verkaufen - bis jemand kam, der es doch tat. 

Und hättest du gedacht, dass es mal ein Dildo-Taxi geben würde? Ja, du hast richtig gelesen. 😆 Was ursprünglich als Scherz gedacht war, ist jetzt ein echter Service.

Eine weitere kreative Lösung - "Zweckenentfremdung": Ein Hotel, das derzeit keine oder kaum noch Gäste hat, vermietet jetzt Zimmer als Home Office für all diejenigen, die Zuhause nicht die Ruhe finden.

Doch auch wenn du derzeit wirklich keine Möglichkeit hast, dein Angebot zu verkaufen, überlege, wie du jetzt mit deinen Kunden in Kontakt bleiben kannst. Sorge dafür, in guter Erinnerung zu bleiben.

Denn eines ist sicher:

Auch diese Situation wird irgendwann vorbei sein. Und Kunden werden sich daran erinnern, wer ihnen in dieser Zeit Gutes getan hat.

Was kannst du deinen Kunden jetzt an Tipps mitgeben, das ihnen momentan helfen würde? Das kann per Video passieren, auf deinem Blog, per E-Mail oder auch per Brief.

Doch es muss nicht mal unbedingt Content im eigentlichen Sinne sein. Schon ein lieber Gruß, zum Beispiel auf einer Postkarte, dürfte vielen deiner Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Auch mit kleinem Budget, kannst du derzeit einiges machen. 

Wie wäre es zum Beispiel mit einem netten Brief oder mit einem kleinen Geschenk? Das kann zum Beispiel schon ein Teebeutel sein (am besten ein Immunbooster-Tee) mit einem lieben „Bleiben Sie gesund“ -Gruß.

Wenn du anfängst, in diese Richtung zu denken, wirst du bestimmt feststellen, dass du derzeit viel mehr tun kannst, als du dachtest.

Die Chance: Online wird jetzt normal


Viele, die sich bisher damit schwer getan haben, online zu beraten, entdecken diese Möglichkeit jetzt für sich.

Bis vor Kurzem hörte ich Leute manchmal sagen: Ich bin nicht so der Online-Typ. Was für viele dann die Begründung war, die Möglichkeit zur Online-Arbeit oder auch Social Media nicht zu nutzen.

Ich will dir deine persönlichen Vorlieben nicht ausreden. Und wenn du sagst, du sitzt deinen Kunden lieber in Fleisch und Blut gegenüber, statt sie online zu beraten, ist das deine Entscheidung, klar. Nur ist das ja bekanntermaßen derzeit einfach nicht möglich.

Und so steigen momentan viele auf Online um, die das vor Kurzem vielleicht noch für sich eher nicht gesehen haben. Und möglicherweise behält die eine oder andere das Ganze auch bei.

Ich denke, viele sehen jetzt: Es geht nicht darum online zu gehen, nur um online zu sein mit seinem Business oder auf Social Media zu posten, weil man das halt so macht.

Es geht darum, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich dir als Unternehmerin bieten. Darum geht es immer – ob Krise oder nicht.

Zu sagen, ich bin nicht so der Online-Typ ist, als würde jemand sagen, ich bin nicht so der Auto-Typ. Doch niemand stellt sich heute mehr die Frage, ob er ein Auto nutzen soll. Wenn es sich anbietet, praktikabel und verfügbar ist, dann nutzen wir es.

Ich hoffe, dass sich diese Einstellung auch bei vielen einstellt, die sich als der typische Offline-Typ sehen – was nicht heißen muss, dass sie nach der Krise mehr Online arbeiten oder mehr posten. Darum geht es nicht.

Es geht darum, immer wieder eine Entscheidung zu treffen: Was ist mir nützlich, was ist machbar und praktikabel, was nicht.

Denn mit der Veränderung dieser Einstellung ist eine Blockade aufgehoben, die sonst neue Möglichkeiten von vorneherein verbaut.


Arbeite Liegengebliebenes auf


Falls du derzeit keine Kundenarbeit leisten kannst, sind deine finanziellen Verluste natürlich beängstigend. Das will ich gar nicht kleinreden.

Das Beste, was du dann tun kannst ist, Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Denn dann hast du momentan eine wichtige Ressource, die dir sonst womöglich häufig fehlt: Zeit.

Gehe die Dinge an, die du länger schon mal tun wolltest oder die mal wieder getan werden müssten, ob für dein Business oder privat.

Deine Website bräuchte eine Überarbeitung? Jetzt ist die Zeit, das zu tun. (Wenn du übrigens lernen willst, wie du deine Texte in Eigenregie schreibst und zwar so, dass sie auch wirken, kann ich dir den Website-Texte-Kurs von Maria Horschig wärmstens empfehlen, der in Kürze starten wird.)

Deine Buchhaltung hat sich aufgetürmt? Du wolltest schon lange mal wieder Joggen gehen? Dir Zeit für einen Spaziergang nehmen? Dann gehe das jetzt an.


Nutze die Zeit zur Reflexion über dein Business


Zeit ist auch notwendig, um in Ruhe nachzudenken, um zu reflektieren. Wenn du sonst im Alltag oft das Gefühl hast, du kommst gar nicht dazu, dir über wesentliche Punkte deines Business Gedanken zu machen, dann ist jetzt die Zeit dafür.

Vielleicht findest du jetzt die Ruhe, um dich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, dich weiterzubilden.

Für den Anfang kannst du dir auch einige Fragen stellen, über die es sich immer wieder mal lohnt, nachzudenken:

  • Hast du das Business, das du haben möchtest oder hattest du dir das anders vorgestellt? 
  • Wenn es nicht so läuft, wie gewünscht, was siehst du als Ursache?
  • Was hält dich davon ab, deine Selbständigkeit so zu leben, wie gewünscht?
  • Wie zufrieden bist du mit deiner Kundengewinnung? Gibt es neue Wege, die du dafür angehen möchtest?
  • Wie läuft dein Marketing? Was möchtest du daran verändern? Was möchtest du Neues lernen?
  • Warum tust du das, was du tust? Wäre es denkbar für dich, etwas anderes zu tun, was wäre das?
  • Was würdest du gerne in deinem Business ändern, wenn du könntest?
  • Welche neue Regeln möchtest du für dein Business etablieren?

Solltest du für dich feststellen, dass in deinem Business nicht alles so ist, wie du es dir wünschst, hat das möglicherweise auch viel mit den Kunden zu tun, die du hast. Wie du aus der Nummer mit "falschen Kunden" wieder rauskommst, erfährst du im Artikel "Was du tun kannst, wenn du die falschen Kunden hast" .


Lerne mit unguten Gefühlen umzugehen


Zum Akzeptieren der Situation gehört für mich auch, meine Gefühle zu akzeptieren. Anzunehmen, dass ich manchmal Angst habe. Zuzugeben, dass ich beunruhigt bin.

Ja, selbst anzunehmen, dass andere vielleicht anders mit der Situation umgehen, als ich das gut finde, (das ist für mich der härteste Part und ich bin noch längst nicht da 😉).

Es ist sicher nicht hilfreich, dich ständig deiner Angst hinzugeben. Doch ich denke, es braucht beides: Das Gefühl wahrzunehmen und dann auch wieder Dinge zu tun, die dir helfen, dich besser zu fühlen.

Schaffe dir also Raum und Zeit für Dinge, die dir gut tun. Vielleicht ist es Sport oder Yoga. Sehr hilfreich finde ich auch Meditation oder EFT - auch einfach Klopfen genannt.

Zu Letzterem habe ich eine tolle App entdeckt (auf Englisch), die ich sehr empfehlen kann. Für Yoga Zuhause empfehle ich Down Dog (auch auf Deutsch, du kannst die App einen Monat kostenlos testen).

Was auch auf keinen Fall zu kurz kommen darf, gerade in dieser Situation: Zerstreuung und Spaß. Vielleicht ist das für dich ein gutes Buch, ein Spaziergang in der Natur oder Musik. Oder so wie bei mir, am Abend auch mal eine gute Serie. Aber auch die kurzen Spaß-Momente im Alltag sind wichtig.

Ich finde, Tier-Content oder sonstige lustige Facebook-Postings haben derzeit eine noch stärkere Daseinsberechtigung. ​

Und worüber ich mich derzeit auch sehr freue ist der derzeit fast tägliche Podcast von Olli Schulz & Jan Böhmermann. Bestimmt ist das nicht jedermanns Humor, meiner aber schon😉.  


Schaue nach vorne


Selbst eine mittelfristige Planung ist derzeit fast unmöglich.

Und doch wissen wir: Auch diese Ausnahmesituation wird irgendwann vorbei sein.

Und darauf freue ich mich. Ich denke, dass ich dann an bestimmten Dingen sehr viel mehr Freude haben werde und sie bewusster angehe. 

Dinge, die ich bisher für selbstverständlich gehalten habe: Sich wieder ins Café oder Restaurant setzen, endlich wieder Freunde und Familie besuchen. Und ich denke, viele Menschen werden das so empfinden.

Ich hoffe, es wird danach viele After-Corona-Partys geben, bei denen wir gemeinsam feiern, dass wir uns wieder alle treffen können.

Sollten dir zurzeit also immer wieder mal düstere Gedanken kommen, denke daran, was du alles Schönes machen wirst, wenn die Beschränkungen aufgehoben sind.

Fazit

Die derzeitige Situation bringt manches, was ohnehin schon da war, stärker zum Vorschein. Ganz besonders gilt das für die Unsicherheit im Business und im Leben allgemein.

Wenn du schon eine Weile selbständig bist, ist es wahrscheinlich, dass du schon einiges an Erfahrung mit Unsicherheit im Business gesammelt hast. Zapfe diese jetzt an und lass sie ein Beleg für dich sein, dass du solche Situationen meistern kannst. 

Es geht dabei nicht darum, schlechte Gefühle zu verdrängen. Erlaube sie dir in einem gewissen Rahmen und tue dann aber immer wieder Dinge, die dir jetzt gut tun. Finde so die nötige Kraft und Motivation, um kreative Lösungen zu finden und nach vorne zu schauen.

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Wer schreibt denn hier?

Ich bin Angelika Färber und ich helfe ambitionierten Solo-Unternehmerinnen, sich klar zu positionieren und eine stimmige Marketingbotschaft zu entwickeln, damit Kunden direkt den Nutzen ihres Angebots verstehen.

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